Gewöhnlicher Aufenthalt und Einkommensteuer: Auswanderung Zeitpunkt gut planen

Immer wieder beobachten wir, dass Menschen unterjährig in die Schweiz auswandern, beispielsweise im September, und dann verwundert sind, wenn das Finanzamt in Deutschland im Folgejahr nochmal zur Kasse bittet. Wieso das so ist und wie Du das vermeiden kannst? Erklären wir Dir!

Mindestens sechs Monate in Deutschland? Steuern fällig!

Gemäß § 1 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) unterliegt in Deutschland der uneingeschränkten Steuerpflicht, wer entweder einen Wohnsitz im Inland gemäß § 8 der Abgabenordnung (AO) hat oder sich gemäß § 9 AO gewöhnlich im Inland aufhält (183-Tage-Regelung).

Einfach ausgedrückt: Wer mehr als sechs Monate in Deutschland wohnt (egal wo er oder sie ihren Wohnsitz den Rest des Jahres hat), ist verpflichtet, in Deutschland eine Steuererklärung abzugeben. Entsprechend legt die Steuerbehörde in Deutschland alle Einkünfte des Jahres zugrunde, um die persönliche Steuerlast zu berechnen.

Progressionsvorbehalt entscheidend

Zwar werden dank Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz (ebenso wie mit vielen anderen Staaten) nur die Einkünfte, die in Deutschland erwirtschaftet wurden, auch in Deutschland versteuert. Doch die Steuerprogression ermöglicht, dass Deutschland einen höheren Steuersatz ansetzt - also von den deutschen Einkünften mehr Prozente will. Es wird also im Jahr der Auswanderung noch das Einkommen betrachtet, das zusätzlich in der Schweiz verdient wurde. 

Rechenbeispiel

Dein steuerbares Einkommen in Deutschland (Brutto-Einkommen abzüglich Werbungskosten, sonstigen Aufwendungen und Freibeträgen) liegt bei 2.600 Euro monatlich, also 31.200 Euro pro Jahr. In diesem Fall würden bei einer alleinstehenden Person 5.055 Euro Einkommensteuer fällig. Das entspricht einer durchschnittlichen Belastung von 16,2 Prozent

Nun arbeitest Du aber nur 7 Monate in Deutschland, weil Du per August (in die Schweiz) auswanderst. Deine steuerbaren Einkünfte in Deutschland belaufen sich damit auf 18.200 Euro (7 mal 2.600 Euro). Hierauf entfällt dann eine Einkommensteuer von 1.503,00 Euro und damit nur 8,26 Prozent. 

Nun bist Du den Rest des Jahres aber nicht untätig, sondern arbeitest 5 Monate des Jahres an Deinem neuen Wohnort in der Schweiz und verdienst dort ein deutlich besseres Gehalt von 5’000 Franken pro Monat nach Lohnabzügen, also noch 25’000 Franken (aktuell 25.940 Euro) im restlichen Steuerjahr

Dein Steuersatz in Deutschland wird dann auf Basis von 18.200 Euro (7 Monate x 2.600 Euro in DE) + 25.940 Euro (5 Monate Schweizer Einkünfte) berechnet. Die Gesamtlast in Deutschland beträgt aufgrund der nun kalkulierten 44.140 Euro (Gesamteinkünfte im Steuerjahr) 20,93 Prozent statt 8,26 Prozent. Dieser neue Prozentsatz wird dann auf das in Deutschland in den 7 Monaten erwirtschaftete Einkommen kalkuliert. Ergebnis: 3.809 Euro. 2.948 Euro an Steuern wurden Dir in den sieben Monaten bereits vom Lohn einbehalten (Berechnungsgrundlage Jahresgehalt und entsprechender Steuersatz). Du müsstest in diesem Beispiel also noch 861 Euro in Deutschland nachzahlen

In der Schweiz entfallen zusätzlich Steuern auf die 25’000 Franken, die Du von August bis Dezember verdient hast. Als alleinstehende Person ohne Kinder mit Wohnort Zürich würdest Du dann rund 1’075 CHF Franken zahlen müssen. Der Unterschied zwischen DE und CH wird im Folgejahr deutlich: Auf steuerbare Nettoeinkünfte von 12 x 5’000 Franken zahlst Du dann etwa 6’380 Steuern. Das sind gerade einmal 10.63 %. In Deutschland wären es schon bei etwa dem halben Einkommen pro Monat satte 16,2 %.

Bei der Berechnung haben wir die frei zugänglichen Steuerrechner des Bundesministeriums für Finanzen in Deutschland sowie den der Eidgenössischen Steuerverwaltung in der Schweiz verwendet.

Die Lösunge(en)

Es gibt praktisch zwei Lösungen:

  1. Verlasse Deutschland so früh, dass Du keine relevanten Einkünfte mehr hast und entsprechend nichts in Deutschland besteuert werden kann. Der Steuerfreibetrag liegt (Stand 2023) bei 10.908 Euro. 
  2. Warte, bis Du in der Schweiz Einkünfte generierst. Das ist allerdings für Angestellte ziemlich unmöglich, da Gehälter für gewöhnlich monatlich ausbezahlt werden und der Nachweis einer Erwerbstätigkeit Voraussetzung für eine Aufenthaltsgenehmigung ist. Höchstens Selbstständige und Unternehmer könnten warten, bis sie Rechnungen schreiben und damit Forderungen generieren oder Ausschüttungen aus Beteiligungen beziehen.
Grenzgänger deutsche oder Schweizer Krankenkasse

Lohnt sich die Schweiz wegen Steuern?

Obwohl die Schweiz nicht zwingend das Steuerparadies schlechthin ist, liegt die tatsächliche, effektive Steuer- und Abgabenlast natürlicher Personen in der Schweiz unter der in Deutschland. 2022 waren es durchschnittlich 29,6 Prozent. In Deutschland waren es etwa 39,5 Prozent. Hinzu kommt, dass das Bruttoeinkommen der Schweiz durchschnittlich 70 % über dem in Deutschland liegt. Zudem entfallen die Spitzensteuersätze erst auf sehr hohe Einkommen.

Im Übrigen profitieren auch Unternehmen von einem günstigen Steuerstandort. Während die Gesamtbelastung für Unternehmen in Deutschland bei etwas weniger als 30 % liegt, sind es in der Schweiz nur 13,49 %. 

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Geprüftes Fachwissen: Unser Autor Jasin Isik

Jasin Isik ist Schweiz-Experte und Geschäftsführer der SuisseKasse GmbH. In dieser Funktion berät er auch Auswanderwillige rund um die Themen Altersvorsorge, Vermögensplanung, Steuern und Beruf. 

Jasin Isik
Schweiz-Experte und Vorsorgeberater

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Über die Schweiz

Die Schweiz ist ein Land in Mitteleuropa, das sich im besonderen Maße durch seine Berge und Seen auszeichnet. Auch als Finanzmetropole ist die Schweiz bekannt. Hauptstadt des neutralen Staates mit rund 8,6 Millionen Bürgern ist Bern.

Vorwahl: +41
ISO-Code: CHE
Währung: Schweizer Franken
Bevölkerung: 8.856.270 (2023)
Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Bündnerromanisch, Italienisch

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